Geschäftshaus Baufeld D Escher-Wyss-Gebiet Zürich, 2017. Nicht anonymer Studienauftrag im selektiven Verfahren, 1. Rang

Architektur: Caruso St John, Zürich.
Bauherrschaft: Allreal AG Zürich.

Der Verlauf der Hardbrücke durch den Kreis 5 kann sinnbildlich als Querschnitt einer in Zürich- West stark vorherrschenden Heterogenität gelesen werden; ein Ort an dem sich Infrastruktur und aktive Industrieareale an gewerbliche und kulturelle Bauten wie den Prime Tower oder den Schiffbau reihen, welche Zeugen der fortschreitenden Gentrifizierung des Quartiers sind.

Das Haus erstreckt sich als positiver Widerhall der starken linearen Präsenz der Hardbrücke über die maximal erlaubte Länge entlang der Hardstrasse und stärkt auf diese Weise zugleich den Strassenraum. Grosszügige Auskragungen an beiden Enden des Hauses offerieren eine weitläufige Durchlässigkeit um das neue Bürogebäude, die besonders im Hinblick auf die Präsenz einer zukünftigen öffentlicheren Nutzung der MAN-Halle im Zentrum des Areals als sinnvoll erscheint

Industrie und Garten

Das Quartier Escher Wyss bildet geographisch und historisch die Untere Hard, auf welcher sich bis im 19. Jahrhundert ein waldbestandenes Schwemmland bestand. Dieses Anschwemmungsgebiet bestand aus Eichenwälder, Höfe und einer Allmend der Zürcher Bürger. Durch die Entstehung von Werkarealen im 19. Jahrhundert auf dem Schwemmland setzte die Umwandlung der kultivierten Landschaft zum Industriequartier Zürich West ein. Seit den 70er-Jahren erfährt das Quartier stetige Umnutzungen der imposanten Backsteingebäude und Fabrikhallen. Während der Industriealisierung wurden neben den Industriegebäuden auch Wohlfahrtsgebäude mit den dazugehörigen Gartenanlagen errichtet. So entstand 1942 unter anderem der Gustav Amman Park auf dem Gelände der ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik Bührle & Coin Oerlikon. In den Gärten der Industrieareale stand die Erholung der Belegschaft von der Schwerarbeit im Vordergrund, nicht die Repräsentation.

Im Rahmen des schützenswerten Industriekontextes wird im Projekt das Gartenthema weitergespannt und neu interpretiert. Die soziale Funktion der ehemaligen Industriegärten wird im neuen Kontext des öffentlichen Raumes vertieft. Die neuen Industriegärten sorgen für Erholung und Repräsentation.

Industriegärten im öffentlichem Raum

Thema des länglichen, öffentlichen Industriehofes, welcher sich zwischen den bestehenden und dem neuen Gebäude aufspannt, sind inselartige, frei stehende Säulenpappelninseln. Der Hof wird durch zwei bestehende und drei neue Säulenpappelninseln markiert. Die schlanken, sehr hoch wachsenden Säulenpappeln bilden aus der Ferne Landmarken, welche die Raumtiefe auf immer neuen Positionen betonen. Die Bäume treten in kleinen Dreiergruppen aus runden, mit Waldstauden dicht bepflanzten Gärten hervor.

Zwei längliche, mit Sitzbänken bestückte Teppiche aus feinem Kies bilden die neuen Aufenthaltsräume zwischen den Hofgebäuden. Auf dem vor dem neuen Gebäude liegende Kiesteppich befindet sich ein grosses, rundes Retentionsbecken, das mit der darunter liegenden Tiefgaragendecke verbunden ist. Die Beckenkanten sind aus Beton und bündig mit dem Bodenbelag.

Geschäftshaus Escher-Wyss-Gebiet Zürich, CH

Wettbewerb 1. Preis 2016. Projekt 2017