St. Gallen, 2011. Projektwettbewerb im selektiven Verfahren, 3. Preis

Architektur: Karamuk Kuo Architekten, Zürich.
Bauherrschaft: Stadt St. Gallen.

Wie der Name Guggeien (etym.= Gucken) selber verrät, lädt der Ort zum Bestaunen der umgrenzenden, traditionellen Kulturlandschaft der Bodenseeregion ein. Eine agrarische Landschaft, geprägt von gewellten, grosszügigen Streuobst- und Mähwiesen, hier und da unterbrochen von kleinen Weilern, linearen Strauchhecken, Solitärbäumen – meist Nussbäumen, die über die Jahrhunderte aus dem einst geschlossenen Wald durch menschliche Anstrengung entstanden ist. Morphologische Naturrelikte der letzen Eiszeit stellen die vorkommenden Moränenwälle und die hinterbliebenen Waldzungen des Höchsterwaldes und des Wildparks Peter und Paul, von denen die zu bearbeitende Parzelle umgeben ist, dar.

Städtebaulich bildet die Parzelle den Übergang zwischen der offenen Landschaft und der gebauten Siedlungsstruktur. Das Projekt verabschiedet sich von der linearen Struktur entlang des Strassenraums zugunsten der offenen, agrarischen Landschaft.

Das Grundkonzept setzt den Akzent auf die bestehenden landschaftlichen Elemente. Die durchfliessende Wiese mit den alten Nussbäumen, der kulissenartige Waldrand und der offen zu legende Bach werden beibehalten und deren Wahrnehmung durch kleine Interventionen wie die Pflanzung weiterer Nussbäume, die Einrichtung einer Aussichtsplattform am oberen Bachkopf, und die Erstellung mäandrierender Wege über die Spielwiese verstärkt. Typologisch werden infrastrukturelle Interventionen, wie verschiedenartige Wasserretentionsbecken und -rinnen, Veloabstellplätze und die Haupterschliessung, in enger Verbindung mit dem Gebäudeabdruck auf eine minimale Fläche eingeschränkt. Materialisierung und topographische Gestaltung des Wasserretentionssystems entlang der Strassenfassade setzen die Grundlage für eine phänomenologisch betonte, andersartig als die vom Menschen geschaffene agrarische Natur. Im eigenen Rhythmus zeichnen sich Grund- und Regenwasserschwankungen über die porösen Oberflächen der Retentionsbecken ab. Entweder durch temporäre Wasserspiegel oder durch Vermoosung

Wohnüberbauung Höchster Strasse St. Gallen CH

Wettbewerb 3. Preis 2011