Chur, 2012. Projektwettbewerb im selektiven Verfahren, 4. Preis

Architektur: Buchner Bründler Architekten, Basel.
Bauherrschaft: Hochbauamt Graubünden.

Der Charakter des Ortes ist stark geprägt durch die Villa Planta, jetziges Kunsthaus und die teilweise noch bestehende ursprüngliche Gartenanlage. Das Kunstmuseum bildet zusammen mit dem Ergänzungsbau und den umgebenden Gebäuden ein Ensemble, welches sanft in einem öffentlichen, städtischen Park zu liegen kommt, der durch die Verbindung von alten mit neuen Elementen das Gartenmotiv aufgreift und durch die neue Setzung der vorhandenen Skulpturen das Museum im Aussenraum erweitert.

Die Villa Planta entstand als privates Wohnhaus in einer Zeit, in der Europa die grossen Museen der Kunst baute und wurde erst später zum Kunsthaus umfunktioniert. Dieser Aufgabe kann die Villa aus ihrer Grundtypologie heraus nicht wirklich entsprechen, sie bleibt viel mehr, frei nach Venturi, eine „Decorated Villa“. Aus diesem Grund wird im Entwurf ein schlichter Museumstypus mit generischen Qualitäten entwickelt, der dadurch Autonomie erlangt und die Villa in ihrer Rolle als wundersamer Ergänzungsbau zu stärken vermag. Der Museumsneubau ist die notwendige Pflicht, damit die Villa Planta, aus ihrem Zwang befreit, als Kür ihre eigenümlichen Qualitäten entwickeln kann.

Historisch betrachtet und im Unterschied zu Heute, bildet das bestehende Kunstmuseum ein Ensemble mit den umgebenden Gebäuden, das ursprünglich in einer Gartenanlage eingebettet war. Das Gartenmotiv, mit jahreszeitlich wechselnden Bildern, spielt im Projekt wieder eine wichtige Rolle. Der Akzent wird auf die teilweise schon bestehende parkartige Umgebungsgestaltung gelegt, die über die gesamte Perimeterfläche und durch neue Gartenelemente (Mauern, Wege, Hecken-, Strauch- und Staudenpflanzungen) erweitert wird. Die Anlage wird als öffentlicher städtischer Park erlebbar, der sowohl den Churern als auch den Museumsbesuchern attraktive Aussenräume anbietet. Altes wird mit Neuem verbunden: der historische erhaltenswerte Baumbestand, die alten Mauern und andere bestehende Reliquien werden, in der Tradition bisheriger Massnahmen, in die neue Parkanlage integriert. Ein durchgehendes, von der Stadt betrachtet durchlässiges, Wegesystem aus Kiesbelag führt zu den verschiedenen Gebäuden und Aussenräumen. Der Museumshaupteingang wurde dank der in Bezug auf die Lichtverhältnisse und die Orientierung günstigen Lage an die Ecke Bahnhofstrasse/Grabenstrasse verlegt. Von dort tritt man in einen grosszügigen, durch eine Mauer eingefriedeten Platz ein, auf dem das alte und das neue Museumsgebäude ihre Präsenz in einem Spannungsfeld klar ausstrahlen. Um die Villa Planta entsteht eine neue Aussenraumfolge, die mit der neuen Setzung der Skulpturen als Erweiterung des Museums gelesen werden kann.

Der Neubau wird in die orthogonale Ordnung der repräsentativen Bauten im Günürtel entlang der Bahnhofstrasse eingegliedert und bildet die äusserste Ecke des Gevierts. Um die städtische Wirkung zu verstärken folgt der Körper der bestehenden Strassenführung und grenzt die Parkanlage gegenüber der Grabenstrasse schützend ab. Wie das RHB Gebäude wird die Frontfassade durch einen risalitartigen Vorbau gegliedert und lässt im Rücken der zusammenhängenden Parkanlage eine Folge unterschiedlicher Raumsequenzen entstehen.Der neue Gebäudekörper, in seinen Grundabmessungen kaum grösser als die Villa Planta, entwickelt erst durch die Vertikale entsprechende Dominanz. Durch das partielle Aufrücken zur Villa entstehen interessante räumliche Beziehungsmomente. Die Museumsanlage wird neu vom Postplatz erschlossen. Die konische Raumflanke wird bereinigt, eine Einfassungsmauer führt entlang an Skulpturen und Bäumen zum portikusartigen Eingang des Neubaus.

Erweiterung Bündner Kunstmuseum Chur CH

Wettbewerb 4. Preis 2012